Hallo ihr Lieben!
Sehr viel ist passiert in den letzten Tagen und nicht alles war gut davon. Aber ich werde einfach von vorne anfangen. Ich bin euch allen mal wieder einen längeren Bericht schuldig und meine Erlebnisse der letzten Wochen bieten auch genug Material.
Zunächst einmal ein kleiner Schneebericht: Vor etwa 2 Wochen hatten wir hier einen massiven Schneesturm! So sah es in Banff danach aus:
| Eingeschneites Auto... Dauer des Ausschaufelns: 45 min! |
| Der Moment, wenn man vom Gehweg über einen Berg auf die Straße klettern muss... |
Die Temperaturen erreichten Tiefstwerte von -38°C! Das ist wirklich das Kälteste, in dem ich je war!!! Da fällt dann schonmal das Atmen schwer. Skifahren haben wir auch inmitten des Schneesturms einmal ausprobiert, mein erster Skitag in Kanada! Krankheitsbedingt und Schneesturmbedingt war das nicht der idealste Tag, aber es war trotzdem ein wunderbarer Tag an dem wir viel Spaß hatten!
Die Arbeit hier im Catering hat uns in dieser Zeit die letzten Kräfte gekostet. 10-13 Stunden Schichten waren an der Tagesordnung und freie Tage gab es auch nur sehr selten.
Nur wenige Tage nach dem Schneegestöber war es dann soweit und ich musste Abschied nehmen von meinem lieb gewonnenen neuen Zuhause in den Rockies und all den lieben Leuten hier. Auf ging es für mich ins 3.5-Stunden entfernte Castle Mountain Resort um meinen kanadischen Traum zu leben, Skilehrer in den Rocky Mountains zu sein! Der Abschied von Banff ist mir sehr schwer gefallen. Alle meine lieb gewonnen Freunde von hier waren an meinem letzten Abend da und am Ende war das ganze sehr tränenreich meinerseits und ich musste verfrüht nach Hause gehen, da ich nicht mehr wirklich vorzeigbar war und Spaß auch etwas anderes ist.
Nach dem ein oder anderen Problem bei Ankunft (ich wurde in ein Zimmer mit 2 Personen gesteckt dass nicht wirklich für 3 Personen ausgelegt war) und dessen Lösung (es ging dann doch ein Zimmer nur mit 1 Person zu teilen nachdem ich klar gemacht habe dass das so absolut nicht funktioniert) haben wir das Pub da ausgetestet und ich habe meinen neuen Boss und einige andere der Skilehrer kennengelernt. Am nächsten Tag gab es das 1. Training und ich habe festgestellt: Kanadier fahren anders Ski!!! Uns 2 Europäer (eine Tschechin und Ich) konnte man sofort herauserkennen. So arbeiteten wir einen ganzen Tag an unserem 'kanadischen Stil' (Ted Ligety lässt grüßen) und den Sonntag habe ich dann ebenfalls damit verbracht, mit noch 2 anderen daran zu arbeiten. Soweit, so gut. Das klingt jetzt alles sehr positiv und das war es auch. Das Skifahren: Exzellent! Das Training: Sehr lehrreich. Würde ich gerne (und werde es auch) weiter daran arbeiten, denn das macht eigentlich alles ziemlich viel Sinn und ermöglicht, mal über den europäischen Tellerrand herauszuschauen. Montag und Dienstag waren dann erstmal frei, für Mittwoch war Staff Orientation angesetzt.
Leider hat sich das Drumherum als weniger positiv herausgestellt. Es ist 50 km von der nächsten Ortschaft (wusste ich davor, aber wie weit das wirklich ist... das merkt man erst wenn man die Gravel Road entlang ins Nirgendwo fährt) und dort gibt es Trailer, eine Day Lodge (nur geöffnet wenn die Lifte geöffnet sind) und ein Pub. Das ist eigentlich ganz nett, aber hat leider horrende Preise: 18$ für eine Pizza, 8$ für ein Bier... Das übersteigt sogar das Banff Niveau... Dazu kommt: kein Handyempfang (damit kann ich Leben), die Sache mit dem Zimmer gleich mal... Ja. Und das WLAN. Wurde versprochen, aber funktionierte im Endeffekt alle halbe Stunde mal etwa für 5 min. Nicht gerade ideal, ich konnte nichtmal meinen Eltern und meinen Freunden hier in Banff Bescheid sagen, dass ich lebend angekommen bin. Musik o.ä. über das Internet hören: völlig unmöglich. Mein Plan war ja, dass das Skifahren dass alles wett macht.
All die äußeren Umstände führten also zu etwa 50 extrem gelangweilten jungen Leuten. Die Arbeitstage enden früh (spätestens um 4.30 ist jeder fertig) und so gab es viel freie Zeit, Mo und Di waren ja sogar komplett frei. Nachdem Nintendo spielen nicht für jeden die Erfüllung ist (nach 4 Stunden Mario Kart reicht es dann doch auch mal) gab es dort gleichmal eine Party. Und noch eine. Und noch eine und noch eine. Man feierte also durchgehend und trank aus Langweile und spielte Nintendo. Soweit, so gut, nichts gegen eine gute Party, aber es ist mir zuwider aus reiner Langeweile zu trinken und ich habe ziemlich schnell festgestellt, dass Gras nicht die einzige Droge im Umlauf ist. Sprich diese Parties bestunden aus ziemlich vielen Leuten, die ziemlich schnell ziemlich high waren und gerne bis 4 Uhr in der Nacht Bongos gespielt haben. Ja, ihr habt richtig gelesen, sie haben Bongos gespielt. Vor meiner Zimmertür. An Schlafen war also nicht wirklich zu denken. Da hat natürlich stark auf meinen Gemütszustand gedrückt, der von Anfang an nicht sehr positiv war.
Ich habe versucht, tagsüber beschäftigt zu sein und versucht, mich einzuleben. Wir haben zusammen das kanadische Manual angeschaut, waren ein bisschen wandern und auch Schneeschuhwandern, aber alles in allem wurde ich unglücklicher und unglücklicher. Die Nachmittage verbrachte ich als heulendes Häufchen Elend in meinem Zimmer und ich habe hin und her mit mir gerungen, ob ich es nun probieren soll, ob ich es überhaupt genug probiere und was die richtige Entscheidung ist, ob Zurückgehen die Lösung ist, ob ich grundsätzlich gerade zu negativ bin und überhaupt, einfach mit allem. Ich hatte wahnsinnig viel Zeit zum Nachdenken, über meine bisherige Zeit hier, wie es weitergehen soll und was eigentlich so alles passiert ist. Also heulte ich abwechselnd und zwang mich, damit aufzuhören und nicht völlig durchzudrehen und positiver zu sein und das alle ergab einen Strudel an Gefühlen und komischen Momenten.
Ein Skype Gespräch mit der Sandra (hier einmal herzlichste Grüße ins ferne Australien) hat mir sehr geholfen sowie Gespräche (so gut das halt geht one wirklich funktionierendes Internet) mit meinen Eltern und: Selbstreflexion. Diese 4 Tage waren so außerhalb meines Wohlfühlniveaus, so außerhalb von dem, wie ich mich selbst kenne, dass das einfach nicht das Wahre sein kann. Ich bin nicht unentschlossen, ich heule nicht 4 Tage am Stück und schon gar nicht ist es mir jemals so schlecht gegangen. Wirklich. Das war eine total seltsame Erfahrung und ich möchte diese vorerst auch nicht wieder erleben.
Wenn ich eins hier gelernt habe in Kanada, ist es, dass Entscheidungen nicht in Stein gemeißelt sind und man auch nicht immer den einmal eingeschlagenen Weg einbehalten muss. Es hat mich eine Menge Tränen und eine Menge Zweifel an mir selbst gekostet, aber ich kam dann zum Entschluss, dass ich so zumindest nicht leben kann und auch kein Skifahren der Welt all diese negativen Surroundings aufwerten kann. Kaum habe ich die Entscheidung getroffen, kam dann auch endlich wieder ich selbst zurück. Und die Entscheidung habe ich für mich selbst getroffen. Die Gespräche mit den Leuten haben geholfen, aber im Endeffekt musst eich diese Entscheidung treffen weil sie für mich das beste war und die Meinung anderer Ausblenden.
An meinem Geburtstag (gestern) habe ich also wieder die Rückreise angetreten. Meinen alten Job kann ich soweit wiederhaben, mein Zimmer hab ich auch wieder und ich habe dann gleich erstmal einen schönen Abend mit zumindest einem Teil meiner Banff Family verbracht. Und das hat sich einfach gleich so viel besser wieder angefühlt.
Klar, hier ist es auch nicht perfekt und so, wie es vorher war, wird es auch nicht wieder werden, aber es ist eine auf jeden Fall eine deutliche Verbesserung. Ich werde in den nächsten Tagen mal ein paar deutsche Reiseveranstalter und auch hießige Skischulen aufsuchen, um mir evtl einen Part-Time Job zu suchen, aber vorerst bin ich erstmal zurück und muss sehen, dass sich hier alles wieder einpendelt.
Auf den Besuch meiner Eltern in nun weniger als 2 Wochen freue ich mich sehr und dann ist ja auch Weihnachten und alles... Die krissy und ich haben heute erstmal Kerzen besorgt und einen Mini-Adventskranz gebastelt, ich habe Weihnachtsgeschenke gekauft und bin nun endlich endlich soweit, mich auf Weihnachten zu freuen und wieder meine Zeit hier zu genießen!
In diesem Sinne, einen schönen Abend euch allen,
ich werde jetzt auf einen gemütlichen Drink ins hießige Irish Pub gehen und wir werden uns dort an den Kamin setzen und einfach einen netten Abend haben.
<3 Grüße aus Banff!
Dann findest du hoffentlich bald einen anderen Job wo du deine Liebe zu Skifahren ausleben kannst :)
AntwortenLöschenDas habe ich mir jetzt mal für die nächste Woche vorgenommen. Erstmal wieder ankommen und alles auf die Reihe bekommen, dann kommt das nächste! :)
Löschen